Das Strandhotel

Entscheidend für die eigentliche Entstehung der Ortschaft Zelenika war die Eröffnung des Bahnverkehrs, mit dem Verladehafen. Gleich ein Jahr danach – 1902 – wurde die Genehmigung für Gaststättengewerbe an Antal Magyar (1857-1909) in Zelenika erteilt. Der Doktor Juris und königlicher Husarenrittmeister stammte aus einer, seit frühen 18. Jh. in Pest bekannter Großbürgerfamilie ab. Etwa ein Jahrzehnt früher ist er wegen Erkrankung außer Dienst gestellt worden, er suchte Besserung in Dubrovnik und einige Jahre danach kaufte sich ein bewaldetes Gut zu Zelenika. Dort erbaute er seine Villa, unmittelbar am Strand, allerdings bekam er häufige Besuche aus Budapest. Nun, es war auch die Bahnverbindung da, so entschied er sich zu Hotellerie. Mit durchschlag-endem Erfolg: Aus heutigem Sicht ist Dr. Antal Magyar Begründer der montenegrinischen Hotelgewerbe, sein „Pension am Grünen Strande“ das erste touristisch relevanter und einzig noch stehender Hotelbau aus den touristischen Anfängen in heutigem Montenegro. Zelenika selbst gilt als die Wiege der montenegrinischen Touristik.

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Um 1905 stand schon die neue touristische Anlage fertig, mit noch drei Villen, mit Parkanlage und Spazierwegen durch den Wald. Das Hauptgebäude ist architektonisch unverwechselbar ausgestaltet: ein Schloss mit drei Türmen, etwa als k.u.k. Militärarchitektur-Nostalgie – vielleicht vom Arsenal in Wien inspiriert. Der Unternehmungserfolg rührte nicht mehr nur von Mundpropaganda, sondern auch von bezahlten Anzeigen, aber seit 1903 auch durch Zeitungsberichte, Bucherwähnungen und sogar einer wirtschafswissenschaftlichen Zuwendung. Die Gäste kamen aus der gehobenen Mittelschicht, vornehmlich aus Ungarn und sonst aus

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der Monarchie, gelegentlich auch aus weiterem Ausland – Generäle, Adel, Diplomaten und sogar vier Balkankönige inbegriffen. Mit noch einer Besonderheit: erstmals wurden organisierte Ausflüge für die Gäste veranstaltet: in die Umgebung, nach Dubrovnik und sogar nach Ausland: Mehrere Tage durch das Fürstentum Montenegro, bis nach Scutari – damals in der Türkei. Ab 1910 sind die Hausflügel aufgestockt, und, als „Hotel Pension Zelenika“ umbenannt, fungierte nun das Objekt einige Jahre auch als Sanatorium, unten fester Betreuung eines Arztes.

Nach verschiedenen Kriegsmissständen übernahm der Sohn Adorjan Magyar wieder die Familienleitung, an das nun endgültig als „Strandhotel Zelenika“ genannten Haus. Nebst der meist durchreisenden jugoslaw-ischen Gästen, das Hotel wurde saisonal von der Mittelschicht aus Tschechoslowakei und wieder aus Ungarn frequentiert – mit Sonder-vertretungen in Prag und Budapest. Allmählich ist aber eine Veralterung der Hoteleinrichtung spürbar geworden. Allenfalls, die attraktive Lage kompensierte diesen Mangel doch so, dass die Zwischenkriegszeit geschäftlich relativ gut ausgestanden ist

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Im zweiten Weltkrieg stark beschädigtes Haus wurde 1948 verstaatlicht, die durchgeführten Reparaturen bedeuteten aber keine Modernisierung. Das Hotel blieb noch aufrecht als Urlaubsstätte für Arbeiter mit Gewerkschaftsvertägen. Die allgemeine Öffnung zu Kommerztourismus machte diesen Hotelbetrieb dann völlig untauglich. Ab 1960 führte diese Anspruchslosigkeit – gepaart jedoch immer mit der hervorragenden Lage – die Verwendung des Objekts zu Kindererholungsstätte. Immer wieder mit solchen „modernen“ Eingriffen in die Bausubstanz, dass die stilvolle Innenausstattung völlig vernichtet, und die Fassade verhunzt wurde.

Während der letzten historischen Wende, wurde das Haus von der Admiralität Rest-Jugoslawiens besetzt. Allenfalls, man hat nichts mehr kaputt gemacht, sondern, es wurde alles sehr gut instand gehalten. Man kann gar diesen Zeitabschnitt als ehrenhaft für die Hausgeschichte hin-nehmen. Unterdessen ging das eingetragene Eigentumsrecht auf die neue Republik Montenegro über, und zwar so, dass gemäß auch neu erlassenem Restitutionsgesetz das ehemals entwendete Vermögen vom Staat zurückerstattet werden soll. Die lebende Erbgemeinschaft meldete diesen Anspruch an und das Militär verließ das Haus im Mai 2005.

Seitdem zog sich das rechtmäßige Rückgabeverfahren hin. Das verlassene Haus verfiel und die Parkanlage verwilderte. Die widrigen Prozessierungen fanden ihre Ende erst zu Januar 2022 – gerade zu 120. Jährung der visonären Tat von Antal Magyar.

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